Montag, 21. Oktober 2013

(News) Fünftes eigenes Bloginterview dieses Mal mit E. M. Ross

Vor längerer Zeit, da war ich noch total neu bei Lovely Books, hatte ich mich für eine Leserunde beworben. 15 Bücher wurden verlost, also nicht gerade die besten Chancen, aber was soll ich sagen, es hat geklappt. Ich durfte "Desperate Angels" von E. M. Ross lesen. Ich muss gestehen, ich kannte weder die Reihe noch die Autorin, aber nach wenigen Seiten war klar, das ist mein Buch! Leider waren die Seiten dementsprechend auch wie im Flug vergangen und es musste der 2. Band "Guardian Angels" her, den ich sogar noch besser fand, da sich die Charaktere um einiges weiterentwickelt hatten.
Dann hieß es erst einmal warten, denn der 3. Band war noch nicht erschienen. Trotzdem hatte ich Kontakt mit dem Verlag und da hieß es: "Du wohnst doch im Raum Frankfurt, komm doch zur Buchmesse, die Autorin ist da!"
Super! Gesagt, getan! Somit hatte ich die Gelegenheit, die liebe Elke persönlich kennenzulernen und natürlich wollte ich auch ein Interview, welches ich euch nicht vorenthalte! Seit Samstag liegt nun auch der 3 Band "Fanatic Angels" bei mir und es juckt mich in den Fingern, direkt damit in meinen Sessel zu verschwinden. Hier noch einmal vielen vielen Dank für die Signierung!


Sunshine:
Ich bin durch Lovely Books auf dein Buch aufmerksam geworden, war das deine Idee diese tolle Leserunde zu starten oder kam der Vorschlag vom Verlag?  
Elke:
Eigentlich kam der Vorschlag von einem anderen Fan der Angels Reihe. Kerry, vom lesenden Katzenpersonal, ihr kennt Euch bestimmt von den Blogs. Sie hat mich letztes Jahr auf der  Buchmesse in Frankfurt und auch in Leipzig besucht. Sie fragte, warum ich nicht einmal eine Leserunde starte bei Lovely Books. So hat es sich dann ergeben und ich muss sagen, die Leserunde hat mir viel Spaß gemacht. In solchen Foren erfährt man die Gedanken der Leser und kann eine Menge lernen. Manches Mal war ich überrascht, wie ein Leser eine Figur oder eine Situation sieht. So eine Art Aha-Effekt.  
Sunshine:
Wie kamst du auf die Idee für deinen Thriller, ich fand es sehr angenehm, dass der Mystik-Anteil recht gering war dadurch war es sehr realistisch.
Elke:
Ich lese und rezensiere selbst sehr viele Thriller da lag es auf der Hand einen Thriller zu schreiben. Aber ich wolle eine außergewöhnliche Story! Mein Konzept für das erste Buch Desperate Angels, sah damals Folgendes vor: 
1. Eine Sekte, okkult, dunkel mit übernatürlichem Anteil 
2. Ein männlicher Protagonist, der zum Opfer wird und das erleiden muss, was normalerweise nur weiblichen Opfern passiert 
3. Eine Liebesgeschichte, die durch alle vier Bände weiterentwickelt wird 
4. Drei ausgeprägte Protagonisten, die durch ihre Charakterstärke aber auch eine gewisse Weichheit brillieren. Echte Menschen und nicht unantastbare Helden. Auch sie sollten sich weiterentwickeln in den vier Bänden, reifen, wie es im Leben nun einmal so ist. 
5. Der letzte Punkt war, mein Bestreben zeitnah zu schreiben. Das erste Buch wurde im Mai 2012 veröffentlicht und zielte ganz bewusst auf den 21.12.2012 ab (welcher letztes Jahr als Weltunterganstag gefürchtet und gefeiert wurde). Ich wollte erreichen, dass die Leser das Buch in der Hand halten und zum Beispiel ein Kapitel mit der Überschrift „Samstag  8.September 2012“ lesen, mit der Reaktion: „Ups, das ist ja heute!“    
Sunshine:
Hattest du Vorbilder für deine Charaktere? Meistens müssen ja unterbewusst die Freunde dafür herhalten.
Elke:
Jetzt musste ich lächeln, wenn ich einen Freund wie Nate/Sean hätte, das könnte mir gefallen! Aber im Ernst, bei meinen drei Hauptprotagonisten, ging es mir vor allem um die Konfrontation von Gegensätzen. Nimm mal Don Viggen und Nate Caim, beide sind so unglaublich verschieden, nicht nur äußerlich. Während Don ein reiches, verkapptes Genie ist, mit einer fast rüpelhaften Art mit Menschen umzugehen, ist Nate höflich, mitfühlend, jemand der sein Umfeld genau beobachtet. Wenn man dann zwei solche Charaktere aufeinander loslässt, entstehen spannende Dialoge und manchmal auch sehr witzige. Besonders im Zweiten Band Guardian Angels. Über Kindermorde zu schreiben ist harte Kost und es ist wichtig, ab und zu eine düstere Stimmung aufzulockern. Mit flapsigen Dialogen klappt das, denn sowohl die Leser müssen durchatmen können als auch ein Autor beim Schreiben. Also die richtige Antwort auf deine Frage ist eigentlich: „ nein.“ Ich habe keine Vorbilder im Kopf, ich habe mich selbst immer wieder in den jeweiligen Charakter hineinversetzt, ein bisschen so wie Theater spielen, einmal spielt man den Helden, das andere Mal den Hofnarren.
Sunshine:
Deine Bücher geben recht viele Einblicke in das FBI, hattest du da einen Sachverständigen an der Hand oder musstest du alles selbst recherchieren? Ich stelle mir das schwierig vor, die Amerikaner sind da bestimmt nicht die aufgeschlossensten.
Elke:
Leider habe ich keine Sachverständigen an der Hand, das würde vieles erleichtern. Da ich unglaublich viel Wert auf Recherche lege, denn ich halte eine gute Recherche für das A und O einer Geschichte, musste ich selbst Unmengen von Material lesen. Es gibt sehr viele Bücher, die von ehemalige FBI Profiler geschrieben wurden, damit habe ich gearbeitet. Meine Hauptquelle war die offizielle FBI Government Seite im Internet. Du würdest dich wundern wie viele Informationen über Quantico, Ermittlungsmethoden, Hierarchien  und  Organisation der amerikanischen Bundespolizei dort zu finden sind. Alles aus erster Hand, vom FBI. Daher kann ich mit gutem Gewissen behaupten, dass alles was über das FBI in der Angels Reihe zu lesen ist, einen sehr hohen Wahrheitsgehalt hat. Das Gleiche gilt auch für Örtlichkeiten,  die ich beschreibe, entweder war ich selbst einmal dort oder ich habe es mir ganz genau via Google Earth angesehen.  
Sunshine:
Wie lange hast du ungefähr an dem ersten Band geschrieben, und war es schwierig einen Verlag zu finden? Ich höre immer wieder, dass selbst richtig gute Autoren Absagen bekommen, wie zum Beispiel J. K. Rowling. Sie hatte ihr Buch sämtlichen Verlagen angeboten aber zuerst wollte keiner Harry Potter haben und später ist sie richtig berühmt geworden.  
Elke:
Inklusive der Recherche, etwa ein Jahr. „Der Gang nach Canossa!“ Ich glaube fast jeder neue, noch unbekannte Schriftsteller, kennt das Problem einen Verlag zu finden. Es ist unglaublich schwer bei den großen Verlagen angenommen zu werden, eine frustrierende Wartezeit beginnt und sehr oft bekommt man noch nicht einmal eine Absage. Ich habe mein Exposee und eine Leseprobe von Desperate Angels einfach auf die Buchmesse 2011 mitgenommen und bin ganz gezielt zu den kleinen Verlagen gegangen. Das hat dann geklappt.
Sunshine:
Ein paar Szenen, während Nates Gefangenschaft, waren schon ziemlich heftig. Fiel es dir schwer diese zu schreiben?
Elke:
Auf die Frage bekommst du ein Eindeutiges JA! Ganz schwer waren die Dunkelhaft und die Vergewaltigungsszenen. Desperate Angels habe ich hauptsächlich in den ersten Monaten des Jahres 2011 geschrieben, nachdem ich mit der Recherche fertig war. Dunkle, kalte Monate und die erwähnten Szenen habe ich ausschließlich Nachts geschrieben. Manches Mal musste ich um vier Uhr am Morgen vor die Tür gehen und Schnee schaufeln, nur um der Dunkelhaft zu entgehen. Ich habe meine Straße vom Schnee befreit und auch bei meinen Nachbarn, um einfach wieder den Kopf freizubekommen und durchatmen zu können. In der Zeit war ich unwahrscheinlich beliebt bei meinen Nachbarn. (grins!)
Sunshine:
Hattest du am Anfang schon im Kopf, wie die Geschichte ausgeht oder hatte sich das beim Schreiben so langsam entwickelt?
Elke:
Was die Liebesgeschichte zwischen Cat und Nate angeht und auch was den mystischen Hintergrund von Nates Herkunft betrifft, hatte ich ein ziemlich klares Konzept, das stand von Anfang an fest. Ebenso die erste Thriller-Handlung in Desperate, es sollte eine Sekte sein. Für Guardian Angels hatte ich mir eigentlich nur zwei Sachen vorgenommen, einmal die Kindermorde und zum anderen den Schauplatz unbedingt in der Mitte des Buches nach Deutschland zu verlegen. Bei Fanatic Angels, dem dritten Band, bekam ich dann zwei riesen Probleme. Erstens: Ich hatte das Gefühl, das Guardian Angels qualitativ besser geworden war als Desperate und ich das Niveau in Band drei unbedingt noch anziehen wollte, musste. Zweitens:  Ich wollte in dem Band weg von den klassischen Serienmorden. Also fing die Arbeit an Fanatic Angels mit schreiben, verwerfen, schreiben und wieder verwerfen an. Mir fehlte einfach die zündende Idee. Dann las ich einen Aphorismus von Friedrich Nietzsche: „Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt auch der Abgrund in dich hinein.“ Es machte „klick“ und damit hatte ich meine ersten vier Zeilen von Fanatic Angels geschrieben, genau mit diesem Aphorismus fängt der dritte Band an. Gleichzeitig hatte ich mir aber auch ein Eigentor geschossen, denn das Thema, was jetzt so klar in meinem Kopf war, zog eine gigantische Recherche mit sich. Eine Recherche, die in mir streckenweise Ekel und Widerwille hervorgerufen hat. Um realistisch in den Sumpf der amerikanischen rechtsradikalen Szene einzutauchen und diese zu beschreiben, war ich gezwungen, mir die einschlägigen Webseiten dieser Rassisten genau anzusehen. Was an dieser Stelle vielleicht ganz interessant ist, während ich dann Fanatic Angels schrieb, entwickelten meine Protagonisten eine Art Eigenleben. Definitiv hat sich der Thriller-Anteil auf die Beziehung von Cat und Nate/Sean ausgewirkt, ihre Beziehung zum Teil beeinflusst. Das hatte ich nicht von Anfang an so geplant, doch bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Sunshine:
Ich fand es sehr gut, dass Nate kein typischer Held ist, der das alles mit einem Schulterzucken abtut und die Welt rettet. Im Gegenteil, er hat ja oft genug mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen. War das so geplant gewesen oder hatte sich sein Charakter so entwickelt?  
Elke:
Das habe ich in der Antwort auf deine dritte Frage bereits ein bisschen angerissen: Ja, so wollte ich ihn!  Wenn ich in einem Buch lese, das der Held angeschossen wird und dann noch einen Marathon läuft, um den Killer zu erwischen, dann bin ich gelangweilt. So ist das Leben nicht. Wer Traumata wie Nate erleidet, fällt in eine Depression, die man nicht einfach wegsteckt, um zum Alltag über zu gehen. Solch Opfer brauchen Hilfe. Nate ist ein normaler Mensch, der zwar ein Genie ist, wenn es um die Psychologie des Profiling geht, doch er hat auch Schwächen und noch ganz andere Seiten. Er ist ein Sympathieträger und manchmal bezeichne ich ihn, mit einem Grinsen, als „lieben, guten Jungen.“ Doch du wirst wahrscheinlich überrascht sein, welche anderen Seiten Nate/Sean noch hat. Die kommen in Fanatic Angels zum Vorschein. Denn er kann knallhart werden und das auch mit den Menschen, die er liebt. Ich denke in sehr schwierigen Situationen, können sich Seiten an einem Menschen auftun, die erstaunlich und manchmal auch schockierend ist.   
Sunshine:
Bei der Leserunde sind einige, ich auch, etwas über den Schreibstil gestolpert, der ist super flüssig aber ab und an kamen immer wieder die Gedanken anderer Personen auf, die ich als Leser gar nicht wissen kann. Was hielt dich davon ab, ab und an einen Perspektivenwechsel einzubauen?
Elke:
Das ist eine hervorragende Frage! Ganz ehrlich, wenn man anfängt zu schreiben, besonders jemand wie ich, der aus einer ganz anderen Ecke, der Finanzwelt kommt, tut man vieles erst einmal intuitiv. Ich habe eigentlich nicht viel darüber nachgedacht, welche Stilmittel ich wählen soll, ich habe geschrieben und das wichtigste war mir, dass es Spaß gemacht hat. Ich habe in der Hinsicht auch viele Freiheiten von meinem Verlag bekommen. Auf jeden Fall lernt man dabei, mit jedem Buch sollte ein Autor besser werden, ich hoffe das ist bei mir so.  Andererseits hatte ich mit meiner Lektorin beim dritten Band immer wieder heiße Diskussionen. Besonders wenn ich ins „E.M.Rossische“, so nennen wir das intern, verfallen bin. Das bedeutet, ich benutze Wörter, die es nur umgangssprachlich gibt, weigere mich besonders bei Dialogszenen sehr lange Sätze zu benutzen. Falle hier und da ins Englische. Nehme bei den erotischen Szenen normalerweise kein Blatt vor den Mund. Meine arme Lektorin hat sich mehr als einmal die Haare gerauft! Aber weiß du, bin ich nicht unfehlbar, besonders beim Schreiben. Manchmal denke ich vielleicht ist es besser einen etwas kuriosen Stil zu haben als einen aller Welt Stil. Hauptsache die Story reißt einen mit.
Sunshine:
Auf wie viele Bände dürfen wir uns denn freuen?
Elke:
Auf vier Bände. Ich habe noch einige andere Ideen, die ich danach erst einmal zu Papier bringen möchte. Jedoch sollte man niemals NIE sagen.
Sunshine:
Wenn du gerade nicht am Schreiben bist, liest du doch bestimmt ab und an ein Buch? 
Elke:
Ab und an ist gut! Ich schreibe selbst Rezensionen für eine kleine Zeitung, ergo liegen bei mir immer vier bis fünf ungelesene Bücher herum, die mir ein schlechtes Gewissen bereiten. Ich habe natürlich auch meine eigenen Lieblingsserien. Auf deren erscheinen ich genauso brennend warte wie ihr auf eure Lieblinge. Habe gerade vor der Buchmesse „Erwartung“ von Jussi Adler Olsen verschlungen, die grandiose Serie um das Sonderdezernat Q. Karin Slaughter mit ihrer Will Trent Serie, da kann ein Jahr schon lang werden bis zum nächsten Band. Ich bin zwar mit den Rezensionen auf Thriller spezialisiert, lese aber auch sehr gerne Fantasy: Markus Heitz, Peter von Brett, Brent Weeks und Naomi Novik. So wunderbare Bücher, wie „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ oder „Er ist wieder da“, gehen auch nicht an mir vorbei. Mein Haus ist mit Büchern nur so vollgestopft. Die stapeln sich mittlerweile meine Treppen hoch, weil ich mich nicht davon trennen kann. Ich liebe Bücher! 

Kommentare:

  1. Hey,

    sehr schönes und interessantes Interview. Ist bestimmt eine super Erfahrung. ;)

    Lieben Gruß,
    Ruby

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    1. Ja auf jeden Fall!
      Und schau dir mal die Bücher an, die sind klasse!

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