Freitag, 31. Januar 2014

(Buchvorstellung) Ich bin dann mal offline von Christoph Koch

Einen Tag ohne Handy? Kaum auszuhalten aber verschmerzbar. Eine Woche, da man es zuhause vergessen hat und jetzt im Urlaub festsitzt, furchtbar. Aber 6 Wochen? Christoph Koch hat den Selbstversuch gemacht. Wie er sich geschlagen hat? Schauen wir mal.


Internet und Handy sind aus unserem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir treffen unsere Freunde auf Facebook, googeln unseren neuen Kollegen, scrollen nebenbei durch die Nachrichten und kaufen gleichzeitig unser Bahnticket. Wenn wir nicht im Internet sind, schreiben wir SMS oder telefonieren. Wie wäre es denn allein mit uns und unseren Gedanken, offline und abgekoppelt vom Rest der Welt? Wie verändert das unser Leben, unsere Freundschaften, unsere Arbeit und unser Selbstbild? Christoph Koch ist ausgezogen, es herauszufinden. Und ist dahin gegangen, wo es richtig weh tut: offline.

Mein Fazit:

Ich muss es gestehen: Ich bin auch ein Dauer-Handy-Internet-Nutzer. Schnell die Mails gecheckt. Was neues auf Whatsapp? Neue Kommentare auf meinem Blog? Irgendeinen Anruf verpasst? Nicht? Ich dachte doch es hätte vibriert ... Und gleich vorab: ich bin mir sicher, keine 6 Wochen durchzuhalten. Nicht einmal eine und warum? Ich bin permanent unterwegs, ein Festnetzanschluss ist zwar da aber so gut wie unbenutzt. Und gerade das Bloggen geht ohne Internet leider nicht.
Was aber auch noch dazukommt ist, dass es in meinem Job als Grafiker unmöglich ist. Stockfotos, Kundenkontakt, Ideen gibt es aufgrund des heutzutage herrschenden Zeitdrucks fast nur noch online. Das liegt nicht daran, dass man es nicht anderweitig beschaffen könnte, sondern vielmehr an der Tatsache, dass das Internet so selbstverständlich geworden ist, dass man uns die Zeit dafür nicht mehr zugesteht. Hier hatte der Autor den Vorteil, freiberuflicher Journalist zu sein und sich seine Aufträge selbst sucht/organisiert. Zumindest hatte ich beim Lesen den Eindruck.
Vor dem Lesen des Buches hatte ich mir aber noch weitere Gedanken gemacht. Macht mir so ein Buch überhaupt Spaß oder ist das schon wieder zu sehr Sachbuch? Gleich vorab, der lockere Schreibstil sorgt für so gute Laune, dass ich diese Frage als völlig nebensächlich erachte. Zumindest was die Lesefreude betrifft. 
Ansonsten würde ich es als Erfahrungsbericht bezeichnen. Ein Bekannter fragte: "Warum liest du so etwas? 6 Wochen ist doch nix! Also meiner Meinung nach könnte man auf das Buch verzichten." Puuhh, da war ich so stolz drauf mal nicht mit der Nase in einem typischen Roman zu stecken und musste nun wirklich nachdenken, bevor ich antwortete. Was macht dieses Buch, abgesehen vom Unterhaltungswert denn lesenswert? Eigentlich zeigt dieser Selbstversuch doch nur, dass es zur Gewohnheit geworden ist überall erreichbar zu sein und man schon unter Entzugserscheinungen leidet wenn es für ein paar Stunden nicht mehr der Fall ist. Wenn es ein reiner Bericht über seine Tageserlebnisse gewesen wäre würde dies sicherlich zutreffen, aber der Autor hat die Zeit davor und während des Experiments dazu genutzt Leute zu interviewen die sich mit der Thematik auseinandersetzen oder sogar komplett ohne Technik leben wie zum Beispiel die Amish People. Gerade diese Erläuterungen und Interview-Fazite empfand ich als sehr aufschlussreich und wusste selbst vieles nicht. Und genau das war meine Antwort: "Es ist nichts weltbewegendes 6 Wochen sein Handy und das Internet wegzusperren aber es ist überaus interessant sich mit unserer reizüberfluteten Gesellschaft auseinanderzusetzen. Zu lesen, was Psychologen, Mitbürger und andere Kulturen dazu sagen."
Ich kann das Buch jedem ans Herz legen, der sich darüber Gedanken machen möchte. Denn ich stelle mir jetzt am Ende die Frage: Ist das Handy und Internet wirklich zur Gesellschaftssucht geworden oder zu einer Normalität wie die Kleidung an unserem Leib und das Auto vor unserer Tür?


Kommentare:

  1. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es nicht weltbewegendes ist für 6 Wochen kein Internet und Handy zu benutzen. Ich glaube, dass man erst, wenn man das Experiment wirklich anfängt merkt, wie oft man beides nutzt. Das geht bei uns los, dass wir das TV Programm übers Internet schauen, da wir keine Zeitschrift mehr haben, ich auf der Arbeit eine Website nutze(n muss), auf der Gerichtsurteile hinterlegt sind und mein Blog würde mir auch fehlen. Ich halte 6 Wochen ohne nicht für so einfach zu machen in der heutigen Zeit.
    LG
    Yvonne

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    1. So geht es mir in meinem Job ja auch. Ich habe nie bezweifelt, dass es schwer ist für 6 Wochen darauf zu verzichten, ich würde es nicht schaffen. Trotzdem fand ich die Infos drum herum so interessant, dass sie mich am Ende mehr interessiert haben als sein Experiment auch wenn natürlich eins zum anderen geführt hat.

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