Montag, 3. Februar 2014

(Buchvorstellung) Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson

Nachdem ich "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" gelesen hatte war ich zugegebener Maßen angefixt. (Jaja, ich weiß, ich muss es immer noch rezensieren, aber irgendwie war ich dafür zu faul. Kommt aber noch, versprochen!)


Dies ist die aberwitzige Geschichte der jungen Afrikanerin Nombeko, die zwar nicht lesen kann, aber ein Rechengenie ist, fast zufällig bei der Konstruktion nuklearer Sprengköpfe mithilft und nebenbei Verhandlungen mit den Mächtigen der Welt führt. Nach einem besonders brisanten Geschäft setzt sie sich nach Schweden ab, wo ihr die große Liebe begegnet. Das bringt nicht nur ihr eigenes Leben, sondern gleich die gesamte Weltpolitik durcheinander...

Mein Fazit:

Ich war echt gespannt auf dieses Buch, denn sein Debütroman war an Absurdität kaum noch zu übertreffen. Eine überaus erheiternde Mischung aus Tempo, Wahnsinn und Humor. Und davon wollte ich natürlich mehr!
Am Erzählstil hat sich zum Glück nichts geändert. Der Autor behält seinen sterilen, naiven und sarkastischen Tonfall, der mir in ersten Buch schon sehr gut gefallen hat, bei.
Auch hat er sich wieder eine Geschichte ausgedacht, die so weit weg von der Realität ist, dass ich ihn um seine Ideen beneide. Er schafft es auf 400 Seiten, seine Protagonistin vom Auto überfahren zu lassen, sie in Sklavenverhältnisse zu schicken aus denen sie nicht mehr raus will, sie ins südafrikanische Atomprogramm hüpfen zu lassen, durch den Mossad nach Schweden zu überführen und sie sogar noch in eine Liebesgeschichte zu stürzen. Klingt ziemlich rasant nicht wahr? Ist es auch. Es war gewohnt lustig, aber ich musste mich teilweise wirklich sehr konzentrieren um mitzukommen. Das Buch mal ein paar Tage weglegen und dann weiterlesen ist nicht drin. Dafür ist die Story zu komplex.
Nombeko war, oft sehr undurchschaubar. Sie ist unglaublich klug, trotzt er armen Verhältnisse aus denen sie stammt. Ihre Bildung ist natürlich mehr als beschränkt weshalb die kindliche Erzählweise super passt. Sie hat eine schnelle Auffassungsgabe und schafft es aus jeder Situation Vorteile zu gewinnen und diese für sich einzusetzen! Es ist mitreißend zu sehen, wie sie von einem nicht gewollten Abenteuer ins nächste schlittert. Mal mit mehr, mal mit weniger Geschick und dennoch einem fleißigen Schutzengel, der über ihr wacht. Anders kann ich mir manches nicht erklären ...
Doch trotz der verworrenen Handlungen weist die Geschichte keinerlei Tiefe auf. Nicht, dass ich es erwartet hätte aber es sollte fairer Weise gesagt sein. Die Charaktere dagegen sind sehr gut ausgearbeitet und reißen einen mit.
Es fiel mir trotzdem schwer, das Buch zu bewerten. Irgendwie war der Aha-Effekt weg. Das Konzept ist das gleiche wie bei seinem Debütroman. "Never change a winning horse" war hier die Devise, aber genau das machte das Ganze etwas langweilig. Es lag nicht an der Story, die war super, weshalb das Buch auch seine vier Sterne bekommt, aber irgendwie war die Luft dann doch etwas raus. Was bei "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" noch neu, anziehend und faszinierend war wirkt hier wie ein altes, aus der Mode gekommenes Sommerkleid, vom Dachboden. Es ist immer noch wunderschön aber angestaubt.
Wem sein Debütroman gefallen hat, der sollte zugreifen aber nicht die Welt erwarten. Es ist ein gutes Buch, ein toller Erzählstil, viel Witz und Humor vorhanden aber irgendwie steht es im Schattens eines großen Bruders.


Kommentare:

  1. Genaus das Gefühl hatte ich ich auch als ich, nachdem ich dieses Buch gelesen hatte und danach den hundertjährigen gelesen habe. Die Analphabetin hat zwischendrin viel zu viel Leerlauf.

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    1. Ich stimme dir voll und ganz zu!

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