Donnerstag, 22. Mai 2014

(Gequatschtes) Wie schreibe ich eine gute Rezension?

Das leidige Thema, ne? Nein, ich möchte keinen ankreiden, keinen belehren und heute ausnahmsweise auch nicht rumpöbeln, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade Neulinge wirklich unbewusst Fehler manchen, die den anderen dann das Buch ruinieren.

Also beschäftigen wir uns heute mal mit den Thema, was denn in so eine Rezension alles rein soll, und was nicht. Auch das Thema Bilder ist immer wieder interessant. Welche darf ich nehmen? Was darf ich von wo kopieren und was nicht?

Das Cover


Als Grafikdesigner, ist eins meiner Hauptgebote immer noch: Stehle nicht deines Nächsten Bilder/Texte/Ideen. Bei Buchcovern wird das Ganze aber nicht so eng gesehen. Die Verlage freuen sich über die Extrawerbung und werden niemanden verklagen, der das Buchcover in die Rezension einfügt. Wer ganz sicher sein möchte, lädt sich das Bild direkt auf der Presseseite der Verlage herunter. Die sind sehr leicht zu finden, zum Beispiel bei:

Blanvalet (gilt für alle Random House Verlage)
Hier findet Ihr rechts in der Seitenleiste den Bereich "Service zum Buch". Dort klickt Ihr auf "Presse". Da gibt es alle Infos, die der Verlag euch zur Verfügung stellt und auch ein hoch aufgelöstes Cover.
Carlsen
Hier könnt Ihr direkt das Buch suchen und in der Beschreibung gibt es den Pressereiter.
Arena
Der Link zum Coverdownload ist direkt rechts unterm Cover.
Dressler
In der Mitte unter dem Cover
Fischer
Rechts unter "Mehr zu diesem Buch" findet Ihr das Cover.
Egmont
Hat einen extra Pressebereich. Einfach eine Email an die Pressebteilung und Ihr bekommt Zugangsdaten. Oder Ihr fragt einfach nach dem Cover.

Das sind nur ein paar Beispiele. Prinzipiell gilt: Cover einbinden ist erlaubt.
Was nicht erlaubt ist, ist: Jegliche Veränderung am Bild: kein Umfärben, keine Runden Ecken und keine Ausschnitte. Faustregel: Ganz oder gar nicht!

Andere Bilder wie Autorenportraits, Fotos


Erst einmal: Nein! Richtig gehört, denn Ihr besitzt keine Rechte an diesem Foto. Würdet Ihr es wollen, dass jemand einfach euer Bloggerprofilfoto klaut und es auf seiner Seite veröffentlicht? Vielleicht, vielleicht auch nicht, aber das könnt Ihr nicht wissen. Also nicht einfach googeln und dann Copy/Paste. Viele Autoren haben auf ihren Homepages Pressebereiche und diese Fotos könnt Ihr verwenden. Genauso wie die, die der Verlag in seinem Pressebereich hat. Wenn ich Autoren interviewe, frage ich direkt nach einem Foto. Das ist am einfachsten und Ihr schreibt ja sowieso mit ihnen, geht also auch am schnellsten.

Wie sieht es mit eigenen Fotos aus? Natürlich dürft Ihr das Buch abfotografieren und das Bild posten, das ist kein Problem. Womit Ihr aber auf jeden Fall Probleme bekommen werdet, ist das Abfotografieren von ganzen Seiten, das ist kein Zitieren mehr! Was also machen, wenn man einen Comic rezensiert? Auch hier gilt: Entweder den Verlag fragen oder auf deren Homepage schauen. Meistens gibt es durch Leseproben, Pressemitteilung etc. Bildmaterial, das Ihr verwenden könnt.

Wie zitiere ich richtig?


Auch so ein leidiges Thema. Prinzipiell gilt, nicht mehr als 3-5 Zeilen. Wortgenaues abschrieben, auch wenn im Buch Rechtschreibfehler sind, müsst Ihr diese mit übernehmen. Macht erkenntlich, dass es sich um ein Zitat handelt: Die Einrückfunktion in Blogger z.B ist genau für so etwas da (die blauen Anführungszeichen). Ansonsten setzt es in Anführungszeichen. Und ganz wichtig: Vergesst die Seitenzahl nicht. Diese entfällt nur bei Ebooks.

Die richtige Inhaltsangabe


Nein, Ihr müsst euch keinen Klappentext zusammenreimen, Ihr könnt den von der Verlagsseite nehmen oder von Amazon. Macht nur sichtlich, wo Ihr ihn herhabt. (Der bei Amazon ist auch Eigentum des Verlags, da diese ihn dort eingestellt haben.) Meistens findet Ihr genau diesen Text auf der Verlagsseite oder im Waschzettel.

Was ist ein Waschzettel?


Nicht das, was Ihr denkt. Wasserfeste Bücher gibt es leider noch nicht. Sehr schade für mich als Badewannenleserin, aber den Waschzettel gibt es zu fast jedem Rezensionsexemplar. Das ist ein Brief, auf dem Buch- und Autoreninfos stehen. Das könnt Ihr alles in eurer Rezension verwenden!

Was muss alles in so eine Rezension?


Naja, zu allererst einmal will ich persönlich immer gerne wissen, um welches Buch es sich handelt. Also Autor, Titel, gerne auch noch den Verlag und das Erscheinungsdatum. Dann kann es ans Rezensieren gehen. Auch hier gibt es verschiedene Stile.

Variante 1:


Alles in einem Fließtext runterschreiben und dann das Fazit noch einmal extra ersichtlich machen. Hier ist es wichtig, nicht im Text hin und herzuspringen. Überlegt euch eine Gliederung: Erst den Inhalt, dann der Schreibstil, dann die Charaktere. Sprecht nicht erst über den Stil, dann über das Setting und dann wieder über den Stil.

Vorteil:
  • Der Leser bleibt im Lesefluss
  • Man ist weniger dazu geneigt, etwas zu überliegen
Nachteil:
  • Man verhaspelt sich schnell beim Rezensieren oder vergisst irgendetwas
  • Zu viel Text an einem Stück ermüdet die Augen und demotiviert den Leser

Ich persönlich mag diese Variante, wenn sie nicht zu lang ist. Ich habe früher so rezensiert und kann euch da gerne ein positives und ein negatives Beispiel geben.

Variante 2:


Die Rezension in einzelne Abschnitte aufteilen. Hier kann man sich Zwischenüberschriften ausdenken, die verschiedene Kategorien behandeln. Zum Beispiel: Klappentext, Charakterisierung, Schreibstil usw.

Vorteil:
  • Der Leser kann sich die Punkte rauspicken, die ihm wichtig sind
  • Man vergisst nichts, da man alle Themen systematisch durchgeht.

Nachteil:
  • Wenn man nicht viel zu einem Thema zu sagen hat, kann es schnell abgehakt aussehen.

Egal für welche Variante Ihr euch entscheidet, hier gibt es kein richtig oder falsch. Schreibt so, wie Ihr euch wohlfühlt und vor allem klar und strukturiert.

Wie viel darf ich verraten? Ab wann spoilere ich?


Ihr kennt die Szene aus "The Big Bang Theorie"? Leonard liegt auf der Couch und ließt "Harry Potter".

Leonard: I don’t know why I avoided the Harry Potter books for so long. These are great. I just started number six.
Sheldon: That’s a good one. Dumbledore dies in that one. Yeah, I know, I didn’t see it coming, either.
Das möchte keiner lesen! Wir alle leiden in Büchern, lachen, ärgern uns oder sind danach fix und fertig. Und wir sind menschlichen Wesen. Wir wollen darüber reden! Könnt Ihr auch, schnappt euch die beste Freundin, die das Buch eh nie lesen wird, aber packt das nicht in eure Rezension!
Wenn ich für jede "Spoiler-Rezension" auf Amazon 50 Cent bekommen würde, wäre ich jetzt reich! Unerwartete Wendungen, Charaktertode, das Ende (und wenn Ihr euch noch so aufregt) oder lustige/schlimme/unrealistische Szenen gehören nicht in eine Buchbesprechung, wenn sie nicht auf dem Klappentext stehen oder Ihr sie so aus dem Kontext reißen könnt, dass man daraus nicht auf den Storyverlauf schließen kann. Da gibt es kein Wenn und Aber und auch keine Ausnahmen. Auch die Verlage werden es euch danken, denn keiner will ein Buch lesen, dessen Zusammenfassung ausführlich auf eurem Blog steht.

Wie gestalte ich ein Fazit?


Das Fazit sollte noch einmal zusammenfassen, was Ihr über das Buch denkt. Es ist im Grunde eine kurze Empfehlung in der Ihr noch einmal auf die Pro und Cons eingeht. Im Grunde die Kurzform von eurem persönlichen Eindruck.

SEO, Werbung, Provisionen, Links usw.


SEO ist überlebenswichtig, wenn Ihr Leser haben wollt. Euer Blog und eure Rezensionen können noch so toll sein, aber wenn ihn keiner findet, kann ihn auch keiner lesen! SEO ist hier das Stichwort. Ich werde jetzt keinen Beitrag über Blogoptimierung schreiben, das würde den Rahmen sprengen. Aber Zwischenüberschriften in H2 zu setzen ist schon einmal ein guter Anfang, denn die klappert Google ab. das ist bei einer Rezension vielleicht eher unwichtig, da sich deren Zwischenüberschriften wiederholen werden, aber in einem Newsartikel sehr sinnvoll!

Ob Ihr Werbung auf eurem Blog schaltet oder nicht, ist euch überlassen, aber wenn, dann bitte dezent. So etwas hat nichts in einer Rezension zu suchen! Da sind Links zu Buchläden, über die Ihr eine Provision erhaltet viel sinnvoller. Aber auch hier gilt, bitte keinen Kauf-mich-Banner in Schriftgröße 48. Ein kleines "Kaufen bei": Amazon, Thalia etc reicht völlig, ist dezent und wenn anständig gesetzt, auch noch hübsch. Ich selbst habe mich damit noch nicht auseinandergesetzt, aber wenn es wen interessiert mache ich das gerne und schreibe dann auch was drüber.

Links von und zu anderen Blogs sind immer schön, aber auch hier gilt: Vorsicht. Ein "Ich habe das Buch auf dem Blog von XY entdeckt" ist kein Problem und kann in die Rezension. Fangt aber bloß keine Kooperationen an und verlinkt euch permanent gegenseitig. Das killt eurer Google-Ranking, denn Google denkt Ihr spinnt und produziert Spam. Bestes Beispiel sind die Blogtouren. Jeder verlinkt sich gegenseitig und Google denkt, Ihr wollt euer Ranking extra hochpuschen und stuft euch runter. Schade, aber ist leider so.

Ihr seht, im Grunde ist es gar nicht so schwer und das wichtigste ist und bleibt der Spaß an der Sache. Wer spoilerfrei und rechtlich korrekt rezensiert ist schon einmal auf dem richtigen Weg. Wie Ihr am besten eure Leser mitreißt und unterhaltet, dass müsst Ihr selbst herausfinden, dafür gibt es kein Patentrezept. Oder doch: Seit einfach Ihr selbst. Rennt nicht jedem Trend nach, nur weil die anderen, vielleicht größeren Blogs, das gerade machen. Schreibt so, wie Ihr euch damit wohlfühlt, denn alles andere ist gestellt und das liest sich leicht zwischen den Zeilen heraus.

Kommentare:

  1. Guten Morgen =)
    Also ernsthaft, aus dir sprudeln diese ganzen Themen ja förmlich raus ^^. Ich rezensiere derzeit in Form von Variante 1, aber ich überlege schon länger, ob ich nicht mal zu Variante 2 übergehen sollte. Mir gefällt das nämlich besonders gut auf anderen Blogs und gerade bei langen Rezis ist das echt übersichtlicher. Wenn ein Fließtext gut strukturiert ist, finde ich das auch ok, man kann da ja auch ein paar Zeilenumbrüche einfügen oder sowas =)

    Einen schönen sonnigen Donnerstag! Und ich hoffe heute Abend kracht es richtig, ich liebe Gewitter =)

    LG
    Anja

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    1. Hey :)

      Ja, irgendwie habe ich Lust, mal nicht nur Bücher zu rezensieren. Nächste Woche gibt's auch zur Abwechslung eine Autorenwoche.

      Ich mag Fließtext total, bin da aber viel zu chaotisch für. Deswegen habe ich mich für Variante 2 entschieden. :)

      Ich liebe auch Gewitter, mal schauen, ob es nachher losgeht.

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  2. Hallöchen :)
    Ansich finde ich deine Post wirklich toll und sicherlich auch hilfreich für viele Neulinge, die noch nicht so ganz genau wissen wohin mit sich. Was ich ein bisschen schade finde, ist dass du auf mich sehr bestimmend wirkst bei diesem Artikel. Man fühlt sich - auch wenn man schon lange rezensiert - irgendwie (also ich zumindest) angegriffen, weil man vielleicht das eine oder andere nicht so macht, wie du es hier beschreibst !
    Vielleicht bin ich auch einfach nur empfindlich, aber ich finde wie jeder rezensiert, soll jeder selbst ausprobieren, sonst sehen auch nachher alle Rezensionen gleich aus.

    Liebst, Lotta

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    1. Hey, :)
      angegriffen soll sich keiner fühlen. Das ist nur meine persönliche Meinung und ja, bei rechtlichen Sachen bin ich berufsbedingt wirklich sehr bestimmend denn das ist ein Thema, das ganz schnell sehr teuer werden kann.

      Der Post ist nur eine Anleitung, aus der man sich Dinge rauspicken kann, die für einen selbst passen. Das hatte ich ja im abschließenden Absatz geschrieben. Ich kann niemandem sagen, wie er seine Rezension gestaltet soll, denn oft macht es die persönliche Note aus. Andere Dinge, wie Spoiler z.B. gehören sich einfach nicht, denn das ist unfair dem Leser gegenüber. :)

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  3. Hey, super toller Beitrag. Gerade das mit den Archivbildern und dem Waschzettel wusste ich noch gar nicht und werde ich demnächst definitiv zu Rate ziehen :)

    Das mit dem SEO hätte ich an deiner Stelle mal gar nicht erwähnt, weil das doch weitaus komplizierter ist, als du es hier gerade dargestellt hast, damit es funktioniert, obwohl du definitiv Recht mit den Blogparaden und Kooperationen hast. Die sind definitiv, auch ohne richtiges SEO Grundwissen, eher hinderlich beim Google Ranking.

    Über den Punkt mit den Spoilern habe ich schon oft drüber nachgedacht und ich erwische mich häufig dabei, sie in meine Rezensionen (wenn man das denn bei mir so nennen will) mit einzubauen. Hauptsächlich weil ich Rezensionen meist über Bücher lese, die ich selber schon gelesen habe, und einen Meinungsaustausch über die Bücher will. Meist ist das unmöglich, wenn man Dinge nicht ansprechen kann. Besser wäre es dann aber natürlich das Ganze als Spoiler zu markieren. Bei Goodreads ist mir in den Reviews aber oft auch schon aufgefallen, dass gerade die amerikanischen Leser ganze Bücher mit dem Zitieren der besten Stellen kaputtrupfen und spoilern und man hinter her die Bücher gar nicht mehr lesen braucht. Besonders wenn das Ganze von affigen Gifs begleitet wird.

    Liebe Grüße,
    Suey

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    1. Hey, danke :) stimmt, SEO ist wirklich eine Wissenschaft für sich, ich wollte es auch nur kurz anschneiden, da bestimmt gerade Anfänger gar nicht wissen, dass das existiert. Ich hatte es eben auch wegen den Verlinkungen angesprochen, dass sich da niemand selbst ein Ei legt.

      Ja, das ist das Mitteilungsbedürfnis, das ich meinte *grins*. Es gibt hakt auch immer wieder Leute, die Rezensionen lesen, weil sie eben was neues suchen und nicht um über das Buch zu sprechen. Was glaubst du, wie ich zu meinem SuB kam? *hust*

      Die Amis sind Spitzenreiter im spoilern. ich hatte letztens eine englische Rezension auf GR online gestellt und direkt unten drunter stand: "The book was okay, but I really hate the fact, that his best friend dies at the end." DANKE, will ich nicht wissen!!! Und ja, die Gifs nerven mich auch. ist halt ne andere Kultur ^^ (ich darf das sagen, ich hab Ami-Blut in den Adern).

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  4. Toller Post! Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen :)
    Als ich in die Blogger-Welt eingestiegen bin, hätte ich so einen übersichtlichen Post begrüßt. So habe ich mir alles selber Schritt für Schritt erlernt und herausgefunden. Wie heißt es so schön, leraning by doing :)

    Ich hasse es, wenn man in einer Rezension spoilert. Ich hasse, hasse, hasse das.
    Leider machen manche Menschen das nicht nur auf Blogs und Amazon, sondern auch in ihren BookTube-Kanälen. Natürlich wird nicht davor eine Warnung ausgesprochen -.-

    Liebe Grüße,
    Carly

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    1. Das freut mich! Ich hatte mich auch alleine reimgefummelt (so sehen meine ersten Rezensionen leider auch aus) aber wir zwei haben es ja auch gepackt :)

      Ja, Spoilern geht gar nicht, ich denke, da sind wir uns alle einig.

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