Samstag, 27. Dezember 2014

(Kinofilm-Kritik) The Interview

Titel: The Interview
Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen
Spielzeit: 112 Min.
Kinostart: 24.12.2014

Warum bin ich ins Kino?
Ich bin durch den ganzen Medienrummel natürlich neugierig gewesen und thematisch passt es perfekt zu meinem Journalismusstudiengang.

Erst hieß es, "The Interview" wird verschoben aufgrund von Terrordrohungen, dann, dass er nie in irgendeiner Form zu sehen sein würde und seit ein paar Tagen, dass er jetzt doch in den Kinos und auf Youtube etc. gegen Gebühr läuft.
Alles nur eine Marketingaktion für einen Film, der sonst gnadenlos durch die Kritiken fallen würde? Wenn ja, dann Hut ab vor der PR-Abteilung.
Ich persönlich hatte schon vorab ein paar Bedenken und sehe hier eine große Zwickmühle. Zum Einen geht es um einen gelingenden Mordanschlag auf eine noch lebende Person (Man möge sich einmal vorstellen, was passieren würde, sollte Nordkorea so etwas mit Obama in der Hauptrolle drehen), zum Anderen war ich von Anfang an dafür, dass er Film gerade wegen der Erpressung gezeigt wird! Meinungsfreiheit ist eines unserer Grundrechte, die wir uns auf keinen Fall nehmen lassen dürfen. Natürlich bleibt es fragwürdig, ob man eine Satire mit so einem geschmacklosen Thema überhaupt hätten drehen sollen, aber uns von wem auch immer verbieten zu lassen, uns anzuschauen, was wir wollen? Niemals!

Eins vorab, bevor ich mit meiner Filmkritik loslege: der Film " The Interview" ist sehr schrill. Wer "Kill the Boss" gesehen hat, kann es damit gut vergleichen.
Wir haben eine sehr einfache Story von zwei Journalisten, die nach Nordkorea eingeladen werden, um den großen Führer zu interviewen. Die CIA wittert ihre Chance und heuert sie an, ihn auszuschalten.
Soweit der Plan, aber als Dave Skylark, der Moderator in Nord Korea ankommt ist alles gar nicht so, wie die Medien es immer beschreiben. Keiner scheint Hunger zu leiden, alles ist perfekt! Er ist sogar auf dem besten Weg, sich mit dem Diktator anzufreunden. Einzig und alleine sein Partner Aaron Rapport bewahrt einen kühlen Kopf.
Klingt eigentlich nach einer spannenden Story und hätte auch durchaus als Satire ihren Reiz gehabt.
Leider ist den Produzenten meiner Meinung nach nicht gelungen, auf dem schmalen Grad zwischen Humor, Ernsthaftigkeit und mahnendem Zeigefinger zu schreiten. Stattdessen ist es typische amerikanische, abgedroschene Blödheit, durch die die Protagonisten von einer Situation in die nächste stolpern.
Es spritzt viel Blut, in Stresssituationen sind alle hysterisch bis zum abwinken und eben genau die Punkte, die eine geschmackvolle Satire ausmachen fehlen gänzlich. Es ist eine einfache Komödie, leider ohne guten Humor.
Der einzige Punkt, der mir sehr gut gefallen hat, war die Planänderung am Ende, in der sie beschließen Kim Jong-un durch die Medien bloßzustellen und eben so zu vernichten, anstatt ihn zu ermorden. Hier wird gut demonstriert, wie viel Macht Nachrichten und Journalisten haben können, was durchaus in der Vergangenheit auch schon der Fall war.
Hier hätte man wegen des guten Geschmacks die Kurve bekommen können, aber es wäre wohl kein typischer Hollywood-Streifen, ohne einordentliches Gemetzel und Explosionen am Ende.

Fazit:
Ob der Sony-Hack nun echt, gefaked oder was auch immer war, ob das Unternehmen das beste aus seiner Situation gemacht und das ganze Theater erfunden hat, werden wir vielleicht nie erfahren, aber es hat diesem leider wirklich nur mittelmäßigen Film die Promotion gegeben, die es nötig hatte. Von alleine hätte es nicht zu ausgebuchten US-Kinos gereicht. Wer "The Interview" schauen möchte, wird bestimmt unterhalten werden. Ob auf gute oder schlechte Weise entscheiden wohl die eigenen Maßstäbe.

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