Freitag, 27. März 2015

(News) Raif Badawi und Saudi Arabiens Kampf ums Image

Es ist wieder Freitag, also Zeit, sich mit Raif Badawi zu beschäftigen. Dem saudischen Blogger droht ein neuer Prozess, der sein Todesurteil sein könnte, während Saudi Arabien sich in einen Krieg im Jemen zu stürzen scheint.

© getty images

Seit beinahe drei Jahren sitzt der junge Mann nun schon in Haft, nachdem er Widerspruch gegen das ursprüngliche Urteil eingereicht hatte, wurde seine Strafe auf 10 Jahre und 10000 Peitschenhiebe erhöht. Ein Umstand, der mittlerweile fast jedem bekannt sein sollte. Obwohl er nur einer von vielen politischen Gefangenen des Landes ist, wurde er zum Symbol für Meinungsfreiheit und die schlimme Menschenrechtslage in Saudi Arabien. Nach außen hin glänzt das Land mit Luxus und Fortschritt, tief im Inneren ist es irgendwo im Mittelalter stehengeblieben.
So unantastbar, wie sie sich fühlen sind sie allerdings nicht. Immerhin hat der internationale Protest dafür gesorgt, dass die Auspeitschungen bis jetzt nicht mehr durchgeführt wurden. Denn jeden Freitag schaut fast die ganze Welt nach Riad und das wird sich auch nicht ändern. Zumindest solange, wie die Medien darüber berichten.
Und gerade hier sehe ich ein Problem, denn das Interesse nimmt ab, da nichts Schlimmes mehr passiert ist. Einzig und alleine morbides Interesse und Sensationslust bestimmen unsere Medien, was ein typisches menschliches Verhalten ist. Da Zeitungen auch von etwas leben müssen, gehen sie verständlicherweise auf die Interessen ihrer Leser ein. Einzig und alleine "Die Zeit" pocht Woche für Woche darauf, dass der Fall in den Medien bleibt. Hierfür: Hut ab! Vor allem, da auch Größen wie Bernd Ulrich diese Artikel schreiben und nicht "irgendein Praktikant".
Gerade jetzt, wo Saudi Arabien im Krieg im Jemen interveniert, werden deutsche Waffenexporte immer lukrativer. Vielleicht ist das Land doch abhängiger von uns, als es sich eingesteht?
Egal, wie sich unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu Saudi Arabien entwickeln wird, Badawi wird sie nicht viel helfen können. Der Fall geht erneut vor Gericht, zum selben Richter, der den Blogger schon im vergangenen Jahr zum Tode verurteilen wollte. Der einzige Grund, weshalb das nicht geschah, war, da das Gericht nicht die nötige Befugnis hatte. Dies hat sich nun geändert, weshalb man zurecht davon davon ausgehen kann, dass das Land alles daransetzt, "ihr Problem" ein für allemal zu lösen.


Nachtrag wegen des Artikels im Spiegel, der mir grade untergekommen ist:
Ich finde es unter aller Sau, sich als wirklich von mir geachtete Zeitung, hinzustellen und zu schreiben, dass er auf wundersame Weise 50 Peitschenhiebe überlebt hat. Das ist nichts, als Schlagzeilenmacherei! Das erwarte ich von der Bild, nicht vom Spiegel. Ich hoffe vor allem, dass dieser Satz nicht aus Raifs Mund kam, denn das würde meinen Eindruck von diesem Mann doch etwas ändern.
  1. Auf dem Youtube-Video ist in etwa zu sehen, wie stark die Hiebe ausfielen, da wurde nicht in mörderischer Absicht auf den Blogger eingedroschen
  2. Er konnte danach noch selbstständig zum Auto gehen
  3. Wenn es so ein "Wunder" gewesen wäre, wäre das direkt thematisiert worden und nicht heute, Monate später
  4. Raif schreibt munter Briefe aus dem Gefängnis? Na das unterstreicht jetzt auch nicht gerade seine heikle Situation
Worauf ich hinaus möchte: Ja, der Fall ist schlimm. Und zwar, weil Saudi-Arabien sich nicht an Menschenrechte hält, für die es einen VERTRAG unterschrieben hat. Das ist mein Hauptproblem in dieser Sache. Natürlich ist die Situation für Badawi furchtbar, aber mittlerweile habe ich das Gefühl, das wer auch immer im Hintergrund steht, (seine Frau?) das Ganze aufputscht. Geht es ihr wirklich noch darum ihren Mann zu retten, oder den Medienrummel zu nutzen, um "ihre Sache" durchzuboxen.
Da ich Spiegelleser bin, werde ich die morgige Ausgabe sowieso in den Händen halten. Je nachdem, ob der Artikel mich genauso verärgert, wie die Ankündigung darauf, wird es vielleicht einen negativen Post zu einer Sache geben, die ich bis eben voll und ganz unterstützt habe!

Kommentare:

  1. Huhu :-)
    Danke, dass du mich z dem Fall immer auf den neusten Stand bringst!
    Es ist schlimm was da passiert. Und ja: Inkonsequenz darf bei Menschenrechtsverstößen nicht geduldet werden!

    Grüße
    Souci

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    1. Ja, das ist eine wichtige Sache. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich der Berichterstattung momentan skeptisch gegenüberstehe. Mal sehen, was heute im Spiegel steht. Aber sollte Raif Badawi wirklich solche Äußerungen machen, ohne zu belegen, dass es so heikel war, werde ich vorsichtiger sein mit dem, was ich hier berichte.

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