Mittwoch, 3. Juni 2015

(Gequatsches) Es ist mal wieder Storytelling-Zeit!

Ihr habt es so gewollt und hier ist sie: Eine neue Kurzgeschichte, frisch von der Uni und aus meinem Favorite-Kurs "Storytelling". Dieses Mal ging es darum, Nachrichtenmeldungen als Geschichte unter den Kriterien er Heldenreise zu erzählen.
Gesagt, getan: Hier ist die FIFA im Märchenformat.

Der geheime Held der Fußballwelt

Jahrelang lebte die fußballbegeisterte Bevölkerung unter der niemals hinterfragten Herrschaft Sepp Blatters. Sie war ahnungslos darüber, dass sie unterdrückt wurde. Länder bewarben sich als Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft, zeigten sich von ihrer besten Seite und man ging davon aus, das rechtschaffendste möge gewinnen. So wie es in einer heilen Sportwelt sein sollte.
Doch dunkle Wolken brauten sich am Horizont auf, die keiner wirklich wahrnehmen wollte. Zu begeistert war man von seinem Lieblingssport, zu sehr vergötterte man die heilige und allseits präsente Macht der FIFA. Katar sollte es sein, ob es nun durch die Wüstensonne oder Sklavenarbeit glänzte. Blatter würde schon wissen, was er und sein engster Kreis zu tun haben.
Die ersten Nebelschwaden zeigten sich. Donner ertönte im Hintergrund, britische Journalisten wurden in Katar verhaftet, die nichts anderes taten, als die Arbeiter in ihren Unterkünften zu filmen. Wer sollte es richten? Klar, die FIFA, die sofort versprach, die Gesetze des Gastgeberlandes zu achten. Was keiner wusste: Es war nicht mehr das Fußballvolk, um das es ging, es war das Geld. Kritische Stimmen wurden ausgelacht, zu schön war die Idylle, um sie jetzt aufzugeben.
Als der Sturzregen kam, die bislang ignorierten Wolken einen Sturm der Empörung und Ignoranz lostraten, da war man geschockt. Ein heimliche Held, das Schicksal schien zur Rettung zu eilen. Bestechungsgelder wurden durch ihn gefunden, es kam zu Verhaftungen. Ja selbst die sonst mit Misstrauen geächteten Nachbarn – die Amerikaner – entpuppten sich als Freund und Helfer.
Der Thorn des Königs wackelte. Es war nicht nur eine höhere Gewalt, die an dessen Füßen sägte, es waren die Fans, die sich betrogen fühlten.
Siegessicher sahen sie der Neuwahl entgegen, hämisch wurde gespottet und lautstark getönt: »Verräter, korruptes Pack.« Niemand fürchtete sich mehr vor dem Herrscher. Die Skeptiker entblößten sich, mit dem Finger auf ihn zeigend.
Doch dann geschah das Undenkbare: Blatter gewann die Wahl erneut, trieb seinen Widersacher, einen wahrhaftigen Prinzen in die Flucht.
Urplötzlich war er wieder da. Das böse in Person und er hatte die Macht. Seine Wut entlud sich zuallererst über den Skeptikern, die er nun beim Namen kannte. Vergeltung sei nur der Anfang, so schwor er.
Im Volk breitete sich die Entmutigung und Resignation aus. Wie sollten Märchen noch einmal ausgehen? Richtig, das Gute gewann stets. Aber das hier war kein Fußballmärchen, kein Sommernachtstraum. Das war das Leben und das war nicht immer fair.
Doch womit kein Einziger rechnete, war das Schicksal, der kleine Held, der nirgends so richtig zum Greifen nahe war. Und  dennoch zog er die Fäden im Hintergrund.
Als kaum noch einer daran glaubte kam die frohe Kunde: Blatter sei zurückgetreten, das Fußballreich befreit.
Niemand wusste, ob es das letztes Aufbäumen eines sich im Todeskampf windenden Drachens war, oder ob ihn letzten Endes die Bürger und die Polizei, gelenkt vom Schicksal, in die Flucht geschlagen haben.

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