Sonntag, 26. Juli 2015

(Gequatschtes) Blogger sind keine Redakteure, es sei denn, sie sind welche!

Der Satz begegnete mir letztens im Internet, aber so ganz konform gehe ich nicht mit ihm. Sicher, der durchschnittliche Blog hat kein qualitatives journalistisches Niveau. Aber da sind wir wieder beim nächsten Punkt, wie misst man qualitativen Journalismus, wenn die Maßstäbe und Interessen bei jedem anders sind?
Nehmen wir mal einen politisch interessierten Menschen, der in seinem Berufsleben jedoch Finanzberater geworden ist. Dennoch kennt er sich mit dem politischen Geschehen in der Welt aus und bloggt darüber auf seinem Blog im Internet. Ist das qualitativer Journalismus, wenn er wirklich Ahnung von dem Thema hat, jedoch bei keiner Zeitung angestellt ist?
Oder bleiben wir mal bei uns und nehmen eine richtig gut geschriebene Buchrezension. Wenn sie wirklich ansprechend ist, warum sollte sie dann schlechter sein, als die, die im Kulturteil unserer Stadtzeitung erscheint?
Ihr seht, die Grenzen verschwimmen und genau da liegt der Hund begraben: Journalismus ist kein geschützter Beruf. Ihr könnt morgen aufstehen und euch Journalist nennen, losziehen einen Artikel (meinetwegen eine Rezension/Produkttest) schreiben und versuchen, ihn als Freelancer an eine Zeitung zu verkaufen.
Ich denke nicht, dass Journalisten und Blogger in einen Hut geworfen werden sollten, egal welcher Bereich, ob Kultur, Sport, Politik … aber ich denke, sie können friedlich nebeneinander existieren und ich denke auch, dass alle Blogger Redakteure sind. Denn vereinfacht gesagt habt ihr einen Medium auf das ihr Texte veröffentlicht. Punkt.
Über deren Qualität sagt das Wort Redakteur mal herzlich wenig aus. Und unter uns: Es gibt auch richtig schlechte Zeitungsredakteure und sehr gute Blogger. Und sogar Menschen, die beides sind.

Somit: Einen schönen Sonntag im Graubereich, ohne lästiges Schwarzweißdenken!

Kommentare:

  1. Hallo Sonja,

    ein interessanter Gedankengang, dem ich allerdings nicht ganz so zustimmen kann. Ich sehe uns Blogger eher als Contentproduzenten, was zwar ein Journalist auch ist, allerdings treffen wir als Blogger ganz allein die Entscheidung, was wir wie auf unserem Blog veröffentlichen und sollte wir eines Tages keine Freude mehr am Bloggen haben, dann tut sich auch auf unserem Blog nichts mehr.

    Im Journalismus entscheidet idR eine Redaktion im Rahmen der Redaktionssitzung, was wie ins Medium kommt und wenn es den einzelnen Journalisten nicht mehr freut, kommt eben der nächste dran, was aber das Medium nicht weiter beeinflusst.

    Aber es stimmt schon, über die Qualität einzelner Beiträge sagt das Medium - ob Blog oder Tageszeitung - nichts aus.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hi Nicole,

      da hast du recht (ich turne ja in beiden Lagern rum), in einer Zeitung ist die Themenfindung dann doch keine alleinige Entschiedung des Redakteurs wobei es da auch von Ressort zu Ressort Unterschiede gibt.

      Es ging ja hier einzig und alleine um die Qualität der Beiträge :)

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  2. Ich fühle mich ganz wohl in dieser Grauzone, denn wenn man keinen Chef hinter sich stehen hat, der das Thema bestimmt, keinen finanziellen Druck hat oder persönliche Rücksichten auf Geschäftspartner nehmen muss, dann kann man fröhlich frei von der Leben weg seine persönliche Meinung äußern. Und dass in der Regel ein Blogartikel keine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Text und / oder Autor ist, sondern höchst subjektive Empfindungen und Eindrücke wiedergibt, manchmal mit Wut im Bauch und manchmal mit wahren Begeisterungsstürmen, empfinde ich auch als plus.

    Da nehme ich sogar Abstriche bei der Quailtät in Kauf, wobei ich sagen muss, dass so ein Kompromiss bei Blogs, bei denen ich regelmäßig hängen bleibe, gar nicht nötig ist.

    LG Gabi

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    1. Hi Gabi,

      ja auf jeden Fall. Für mich ist das auch mein Ausgleich (Ich arbeite als Modejournalistin neben dem Studium), denn bei uns in der Redaktion wird ja auch besprochen, was und worüber geschrieben wird. Hier kann ich mich ausleben und dennoch kann beides gleichwertig von der Qualität sein.

      Stimmt, auch die Blogs, die ich regelmäßig lese sind super :)

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