Mittwoch, 9. Dezember 2015

(Film- und Buchvorstellung) Im Herzen der See

Seit dem 3. Dezember ist es so weit, aber dank Uni und Arbeit kam ich erst gestern dazu, ins Kino zu gehen.
Als braver Buchblogger habe ich natürlich das Buch schon vorher gelesen, weshalb ich mir jetzt einfach einmal erlaube, beides zusammen vorzustellen und gegenüberzustellen.

Worum geht's?
Nathaniel Philbrick erzählt die wahre Geschichte jener Ereignisse, die Herman Melville zu seinem Roman Moby Dick inspiriert haben: Im November 1820 wird der Walfänger Essex mitten auf dem Pazifik von einem Pottwal gerammt. Das Schiff kentert, doch die 20 Mann starke Besatzung kann sich auf drei kleine Beiboote retten. Knapp 4000 Kilometer westlich der südamerikanischen Küste beginnt für die Männer eine beispiellose Odyssee: Drei Monate lang segeln sie in offenen, notdürftig aufgetakelten Booten und ohne ausreichend Proviant über eine feindliche See – und stoßen dabei an die Grenzen ihrer Menschlichkeit.

Jeder von uns kennt "Moby Dick", den Klassiker, der aus einer der berühmtesten Schiffsunglücke der damaligen Zeit entstand. Der amerikanische Historiker Nathaniel Philbrick hat die Ereignisse nach dem Tagebuchfund des Kabinenstewards noch einmal detailliert ausgearbeitet und die Geschichte niedergeschrieben.
Das ist ihm meiner Meinung nach sehr gut gelungen, jedoch ist es nichts für schwache Nerven. Wer mit "Life of Pi" Probleme hatte, der sollte sich zwei Mal überlegen, ob der danach greift. Denn diese Geschichte liegt mindestens genauso schwer im Magen.

Ich weiß nicht genau, wo ich das Buch einordnen soll. Es ist ein Sachbuch, das sich wie ein spannender Roman ließt. Denn im Endeffekt erzählt es eine Geschichte – eine wahre Geschichte. Details zum Wahlfang, den damaligen Lebensumständen und dem Horror, den die Crew nach dem Kentern der Essex, durchmachte, nahmen mich zumindest sehr mit, auch wenn ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Nun, der Film ist natürlich deutlich erzählender ausgerichtet und spart nicht an Action, zumindest am Anfang. Wie im Buch braucht der Leser starke Nerven. Zwar muss man niemandem zusehen, wie er einen Kameraden im Detail aufisst, jedoch gibt es einige blutige Szenen, zum Beispiel die Verarbeitung eines getöteten Wals. Auch weicht das ein oder andere unwichtige Details (die Anzahl der erlegten Tiere etc.) etwas ab, aber das schadet dem Film nicht. Im Gegenteil, es wäre sonst zu makaber gewesen.
Was ich ebenfalls schön finde, ist, dass der überlebende Schiffsjunge zwar seine Geschichte erzählt, das Gesamtaugenmerk jedoch auf der Crew und den allgemeinen Umständen liegt. Wenn sich ein Hauptcharakter abzeichnet, dass ist es Chris Hemsworth, der als erster Maat namens Owen Chase
eine Glanzleistung ablieferte.

Allerdings kann ich den Film nicht nur loben. Zwischenzeitlich plätscherte er ein bisschen dahin, war das ein oder andere Mal vorhersehbar und hätte am Ende eine etwas höhere Spannungskurve gut vertragen können. Dafür hat mir die Schlussszene und letzte Entscheidung des Kaptains bei seiner Anhörung sehr gut gefallen, denn ihn hatte ich anders eingeschätzt – ohne hier zu viel vorwegnehmen zu wollen.

Wer noch nicht im Kino war, sollte das unbedingt nachholen. Auf die 3D-Version könnt ihr aber im Zweifelsfall verzichten. Wer auf spektakuläre Effekte wie in "Life of Pi" hofft, wird enttäuscht werden. Dennoch punktet der Film mit beeindruckenden Szenen, die ihre Wirkung bestimmt auch in 2D voll entfalten können.
Hier geht's zum Buch und hier zum Film.

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