Donnerstag, 26. Januar 2017

(Buchvorstellung/Rezension) Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse



Titel: Die Leichtigkeit
Autor: Catherine Meurisse
Seiten: 144
Erscheinungstermin: 20.12.2016
Verlag: Carlsen
Rezensionsexemplar: Ja

Was hat mich an dem Buch angezogen?
Der Blogger Arndt hat mir das Buch ans Herz gelegt.


Inhalt:
Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die seit vielen Jahren für Charlie Hebdo arbeitet, entkommt dem Attentat auf Charlie Hebdo nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 für die Redaktionssitzung zu spät dran ist. Viele ihrer Kollegen und Freunde werden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst sucht seitdem nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben. Meurisse sucht in der Schönheit der Natur und der Künste nach anderen Bildern, macht sich nach Italien auf und beginnt langsam, zu ihrer eigenen Leichtigkeit zurückzufinden. Mit „Die Leichtigkeit“ hat Catherine Meurisse ein intensives und sehr persönliches Buch geschaffen, das ihrer Trauer Raum gibt und zugleich eine Ermutigung ist, sich die Schönheit des Lebens zurückzuerobern. (Klappentext, Amazon)


Fazit:
Immer wenn ich den Satz höre "Jeder weiß noch, wo er am 11.September war", kann ich nur den Kopf schütteln. Ich weiß es nicht. Es ist, als hätte mein Kopf das einfach verbannt. Dafür weiß ich, was ich am 7. Januar 2015 gemacht habe. Ich war in der Zeitung arbeiten, als zwei Terroristen die Redaktion von Charlie Hebdo stürmten und 12 Menschen erschossen. Erst wollte ich es gar nicht glauben, dann wurde von immer mehr Opfern berichtet, wir aktualisierten immer wieder unsere Artikel und irgendwie hat sich das auch auf "meine" Zeitung ausgewirkt. Die Security wurde verschärft und die Zeiten von "ich nehm mal schnell wen auf meine Schlüsselkarte mit ins Haus" waren plötzlich vorbei.
Alles gut gemeint, aber wenn jemand mit nem Sturmgewehr wo rein will, dann hält ihn so schnell nichts auf. Also blieb das ungute Gefühl noch eine Weile.
Ich habe nur die entferntesten Ausläufer dieses Anschlags mitbekommen, die Redakteurin Catherine Meurisse muss dagegen damit leben, dass ihre Kollegen und Freunde ermordet wurden. Sie hat nur überlebt, da sie sich am Tag zuvor von ihrem Liebhaber trennte und deshalb verschlafen hat. Um ihr Trauma zu verarbeiten, hat sie ihren "Weg zurück ins Leben" satirisch illustriert und ein Buch geschaffen, das ich gar nicht richtig einordnen kann. Es ist zum Weinen, zum Lachen und vor allem macht es nachdenklich.
Sie zeigt, dass es dauert, mit einer schweren Krise umzugehen, aber auch, dass es einen Ausweg gibt. "Man sollte sich immer am Tag vor einem Terroranschlag trennen", rät sie ziemlich trocken gleich zu Anfang. Sie führt im Buch groteske Gespräche mit ihrem Psychiater: "Je suis Charlie, je suis Bataclan, je suis Le Carillon ..." Ihr Psychiater attestiert ihr daraufhin Größenwahnsinn. Die Szene ist zum Lachen, verdeutlicht aber auch, was der ganze "je suis"-Wahnsinn den Betroffenen antut. Wir können uns ausmalen, was die Opfer und Angehörige durchmachen, aber wir wissen es eben nicht und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Ja, das Buch hängt einem nach dem Lesen noch lange nach, aber es gibt auch Hoffnung und Kraft. ich weiß immer noch nicht, was ich sagen soll, außer: Lesen! Die Karikaturen haben mir sehr gut gefallen.


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